KULTUR DES FRIEDENS

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Thursday, 19. October 2017

Kongress "Kultur des Friedens" 2003

Aufstehen für die Menschlichkeit

IPPNW-Kongress resümiert über vier Tage den Irakkrieg

Kongress Kultur des Friedens II

Der von mehr als tausend BesucherInnen und 80 namhaften ReferentInnen aus dem In- und Ausland besuchte IPPNW-Kongress "Kultur des Friedens" vom 1.-4. Mai 2003 in Berlin resümierte über vier Tage den Irakkrieg und seine Einbettung in Globalisierung und militärische Neuordnungsbestrebungen der Welt. Beiträge und Debatten bestärkten die Forderung an die Politik, dass die Antwort Deutschlands und Europas auf die Gefahren kommender Kriege statt in weiterer Militarisierung und Aufrüstung vielmehr in einer resoluten Friedenspolitik mit festen Gewalt- und Kriegspräventionsstrukturen - z.B. verankert in der kommenden europäischen Verfassung - liegen müsse.

Konsens bestand auch darüber, dass der militärische Sieg über den Irak den Krieg im Nachhinein nicht rechtfertigen könne. "Massenvernichtungsmittel sind nicht gefunden, der Diktator ist nicht gefasst, aber der seit langem gewollte Krieg ist geführt worden" skizzierte der Vorsitzende der IPPNW, Stephan Kolb, den Ausgangspunkt für die Suche nach Alternativen. Ein Angebot machte der mit stehenden Ovationen bedachte Physiker und Träger des alternativen Nobelpreises Prof. Hans Peter Dürr, der einen etablierten europäisch-amerikanischen Dialog der Zivilmächte als Gegengewicht zu den Militärmächten forderte. Dafür müsse sich die Friedensbewegung aber auch von ihrer zum Teil fatalistischen Haltung abwenden: "Frieden ist möglich, die Zukunft ist noch nicht entschieden, sondern wie alles in der Welt von der Kreativität der Menschen abhängig".

Auf das Denken und soziale Handeln der Menschen selber, auf ihre zunehmende Mündigkeit und ihr aktives Eingreifen setzt auch das Vorstandsmitglied der IPPNW Matthias Jochheim. Mit Blick auf den für den Nahen- und Mittleren Osten und der Entwicklung des Terrorismus bestimmenden israelisch-palästinensischen Konflikt forderte er das Ende der Besetzung der palästinensischen Gebiete und der damit verbundenen schweren Menschenrechtsverletzungen sowie die Unterstützung der europäischen Friedensbewegung für die palästinensische Bevölkerung.

Der Ehrenvorsitzende der IPPNW und "spiritus rector" des Kongresses, Prof. Dr. Horst-Eberhard Richter, erinnerte noch einmal an die beeindruckenden Beispiele ziviler Gegenmacht und gab den KongressbesucherInnen mit auf den Weg, sie seien "aufgefordert, in ihrem Engagement für den Frieden nicht nachzulassen".

Der IPPNW-Kongress vertiefte zudem den Austausch über die Zukunftsperspektiven sozialer Bewegungen mit der globalisierungskritischen Organisation attac, einem Kooperationspartner des Kongresses. Aber nicht nur für sie fasste die aus Indien stammende Physikerin und Agrarwissenschaftlerin Vandana Shiva zusammen: "Die sozialen Bewegungen in aller Welt - von der Friedensbewegung über die Frauenbewegung bis zur Ökologie- und Anti-Atombewegung müssen sich vernetzen, denn ohne diese Bewegungen ändert keine Regierung der Welt etwas".